Charaktere

Führen Sie Selbstgespräche? Ja! Dann wird Mann/Frau Sie für verrückt halten. Nein? Ach, Sie sind SchriftstellerIn! Verstehe. Es geht Ihnen wie mir.

Ja, ich führe Gespräche. Lautlos, ohne dass ich mein/e GesprächspartnerIn sehe. Ich notiere die Antworten. Weniger die Fragen, die sich aus dem ergeben, was meine Figuren sagen.

Meine Fragen sind sehr intim, sehr indiskret. Ohne Ansehen der Person. Ein hohes Tier, Verbindungen in höchste Kreise? Sie können mir nicht entgehen, in die Enge getrieben. Ich merke, dass sie versuchen mir auszuweichen, nicht zu antworten. Haben sie auch damals daran gedacht, als sie es taten? Natürlich nicht. Nun fällt es auf sie zurück.

Ich habe einen Mord aufzuklären, einen Fall zu lösen. Das klingt amtlich. Da gibt es kein Schweigen. Da muss geantwortet werden. Nur die Täterin/der Täter darf schweigen, ausweichen, nicht die Wahrheit sagen. Aber damit macht sie/er sich verdächtig.

Als Schriftsteller kommt es auf die Perspektive an. Habe ich die Sicht des Ermittlers oder des Täters? Dann muss ich den Fall vielleicht gar nicht aufklären, vielleicht nur die Beweg- und Hintergründe. Machen Profiler eigentlich etwas anderes?

Und am Ende frage ich, was soll die Fragerei? Die Fragen an die Charaktere?

Natürlich die Geschichte schreiben. Anfang, Mitte und Ende. Ich habe meine Charaktere im Gespräch kennengelernt. Sie sind nicht ohne und der oder dem Anderen möchte ich nachts nicht begegnen.

Ich muss nur noch ihre Story aufschreiben.

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